
Für Listening Session empfange ich mit einer selbst entworfenen VLF/ELF-Antenne extrem niederfrequente elektromagnetische Signale. Es handelt sich bei dem Empfangennen um sogenanntes Natural Radio, das durch atmosphärische und magnetosphärische Ereignisse entsteht: Blitzentladungen, Wechselwirkungen geladener Teilchen im Erdmagnetfeld. Über drei Monate hinweg habe ich an verschiedenen Orten 22 Aufnahmen gemacht, jede mit Koordinaten, Zeitstempel und Wetterdaten dokumentiert. Die Methode gleicht wissenschaftlicher Feldforschung, doch mir geht es nicht ums Messen, sondern darum, hörbar zu machen, was sonst unbemerkt die klangliche und elektromagnetische Landschaft durchzieht.
In der Ausstellung wird die Arbeit zur 30-minütigen Echtzeit-Videoinstallation. Ein einzelner senkrechter Metallstab, die Antenne, steht still in einer Landschaft, während die Besucher:innen über Funkkopfhörer die zeitgleich an diesem Ort aufgenommene elektromagnetische Aktivität hören. Das reglose Bild und der lebendige Klang stehen im Kontrast und schärfen die Aufmerksamkeit, für den Ort wie für das Hören selbst.
Listening Session steht in Resonanz mit Alvin Luciers Sferics (1981), in dem Lucier mit eigenen Antennen und Empfängern das von Blitzen in der Ionosphäre erzeugte Natural Radio aufnahm. „Wenn man eine Antenne und einen Empfänger aufstellt, kann man sie hören; sie sind sehr schön. Das ist alles, was ich getan habe: sie für die Menschen hörbar zu machen. Ganz einfach“, bemerkte er. Diese Geste, das Unhörbare hörbar machen, teile ich. Doch wo Lucier es beim Klang beließ, füge ich eine Situation hinzu: ein Bild, ein Setting. Der Antennenstab steht in genau der Landschaft, deren elektromagnetische Aktivität zeitgleich zu hören ist; in diesem einen Bild fallen Apparat, Ort, Wahrnehmung und Rezeption zusammen.
Einkanal-Video mit synchroner Wiedergabe von VLF-Feldaufnahmen (Natural Radio), aufgenommen mittels einer selbstgebauten Antenne; drahtlose Audiowiedergabe über Kopfhörer; 30 min.
